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Die auslösende Lebenssituation: Dies ist eine außerordentlich schöpferische Phase, in der du deine Visionen und Ideen mit großem Selbstvertrauen, Lebendigkeit und Zuversicht in die Welt hineinträgst. Die gegenwärtige Situation erfordert die Fähigkeit, scheinbar widersprüchliche Bestrebungen auf kreative Weise zu verbinden und dadurch neue, überraschende Lösungen für alte Probleme zu finden. Dies kann dir gerade im beruflichen Bereich sehr zugute kommen. In deinen Beziehungen zeigt die Karte Veränderungen und den Anbruch eines erdverbundenen Lebensabschnitts an. Das kann Heirat, intensive Auseinandersetzung mit einem Kinderwunsch, Schwan­gerschaft oder die Geburt eines Kindes bedeuten, aber auch eine Zeit, in der du sesshaft wirst, dir ein Zuhause schaffst oder deinen Körper und seine sinnliche Lust besonders genießt.

Die Wurzel des Problems: Die Kehrseite der dritten Karte ist die erstickenden Fürsorge. Aus lauter Sorge, die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren, hältst du an etwas fest, das selbständig weiter wachsen möchte. Du musst in der Lage sein, die Kinder, die du geboren hast, und die Visionen, denen du Gestalt gegeben hast, irgendwann in die Welt zu entlassen – auch auf die Gefahr hin, dass sie sich anders entwickeln, als du es dir erhofft hast. Zuviel Fürsorge beengt und erstickt letztlich das, was du beleben wolltest. Wahre Lebendigkeit braucht den Tod, das Loslassen, um sich entfalten zu können. Die Kehrseite der Kaiserin kann auch einen unerfüllten Kinderwunsch, unterdrückte Kreativität oder die unerfüllte, starke Sehnsucht nach einem Zuhause bedeuten.

Innere Haltung: Gerade für Frauen ist diese Karte ein überaus günstiges Omen, da sie dir in besonderem Maße den Zugang zu deinen innersten Kraftquellen ermöglicht. Deine Beziehung zur Mutter Erde, deinem Körper und den elementaren Zyklen des Werdens, Wachsens und Vergehens ist stark. Du bist in der Lage, ganz im Hier und Jetzt zu leben und dich mit den irdischen Gegebenheiten, so wie sie sind, im Innersten zu verbinden und dich wohl zu fühlen. Indem du dich ganz auf die Gegenwart einlässt, die tätigen und die empfänglichen Kräfte in dir verbindest und die ständig sich wandelnden Geschenke des Augenblicks annimmst, kann etwas völlig Neues in deinem Leben entstehen. Dies ist eine außerordentlich schöpferische Phase, eine gute Zeit, dein Leben im alltäglichen Handeln kreativ zu gestalten.

Das Geschenk: Die Kaiserin steht für das Geschenk einer schöpferischen Lebensgestaltung. Deine Situation enthält den Keim für die Verwirklichung bedeutsamer Visionen. Du musst nur die Augen öffnen und sehen, was da ist, um es nutzen und verwandeln zu können. Jetzt bietet sich dir in besonderem Maße die Chance, die empfänglichen und die handelnden Seiten deiner Seele zu verbinden und damit etwas völlig Neues zu schaffen. Ein weiteres Potential dieser Karte ist die tiefe Verbundenheit mit der Erde und deinem Körper.

Optimale Nahrung: Jetzt ist es an der Zeit, die heilende und nährende Kraft von Mutter Erde zu nutzen. Ernährung ist hier ganz konkret zu verstehen. Naturbelassene Lebensmittel, Heil- und Wildkräuter und ein bewusster, achtsamer Umgang mit deiner Nahrung sind jetzt ganz besonders wichtig. Dein Körper braucht liebevolle Fürsorge, ausreichend Bewegung, frische Luft und einen gesunden Wechsel von Aktivität und Ruhephasen. Aber auch alle Formen von kreativem Tun – Modellieren, Malen und Gestalten – sind jetzt Nahrung für deine Seele.

Heilende Lösung: Die Kaiserin als Heilungskarte rät dir, Verfahren der Naturheilkunde, der Kreativtherapie und der Körperpsychotherapie zu nutzen. Ihre Botschaft lautet, etwas Neues in deinem Leben entstehen zu lassen. Die Verbundenheit mit der Natur und mit den Quellen deiner Kreativität ist jetzt besonders heilsam für dich. Das bedeutet jedoch mehr, als nur im Freien spazieren zu gehen. Die Kaiserin lehrt dich, dass du nur in dem Maße heil werden kannst, in dem du auch zum Heil-Sein der Gemeinschaft und der Erde beiträgst.

Schlüsselworte: Fruchtbarkeit • Wachstum • Kreativität • Schöpferische Kraft • Etwas Neues schaffen und es gedeihen lassen • Mütterliche Energie • Die Gaben der Natur • Erdverbundenheit • Harmonie mit der Natur • Geborgenheit im Kreislauf des Lebens • Versorgen und umsorgen • Üppige Fülle • Die unerschöpfliche Kraft der Erde, die immer neues Leben hervorbringt • Die Welt des irdischen, physischen Körpers • Wertschätzung des eigenen Körpers, der Sinne und der irdischen Freuden des Alltags • Säen, pflanzen, hegen, pflegen und ernten • Geburt des Neuen • Sinnlichkeit und Leidenschaft • Emotionalität • Lebendigkeit • Stabilität und Wandel • Reichtum an Ideen und Empfindungen

Die vierte Karte zeigt uns einen majestätischen Regenten auf seinem Thron. Auf dem Kopf trägt er einen Feldhelm mit einer Krone, zu seinen Füßen lehnt sein Wappenschild mit dem Adler und in seinen Händen hält er die Insignien des rechtmäßigen Herrschers: Zepter und Reichsapfel. Das dreizackige Zepter (die  „fleur-de-lis“) in seiner rechten Hand ist ein Symbol seiner phallischen, lebensspendenden Kraft. Der Reichsapfel in seiner linken ist das Zeichen der Erde und repräsentiert die enge Verbundenheit des Kaisers mit der Macht der Göttin. Er sitzt mit entspannt gekreuzten Beinen auf seinem Thron und zeigt uns sein linkes Profil, also seine gefühlsbetonte, empfängliche Seite. Ganz offensichtlich ist er ein friedvoller Herrscher, denn er trägt keine Rüstung und kein Schwert, und sein Schild dient nicht zum Schutz, sondern als Zeichen seiner Beziehung zur Göttin. Der Helm, den er trägt, und die Stärke seiner rechten Hand im Vergleich zur linken zeigen uns jedoch, dass ihm sein Rang und seine Position nicht in den Schoß gefallen sind. Er hat sie unter großen Anstrengungen und zähem Ringen erworben.

Der Mann, den wir auf dieser Karte sehen, ist der Jahreskönig der alten matriarchalen Kulturen. Die Priesterkönigin und Repräsentantin der Göttin erwählte ihn für die Dauer eines Jahres als Gefährten und rituellen Vertreter der Menschenwelt. Seine Aufgabe war es, sich als Stellvertreter der Menschen in Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu bringen und auf diese Weise für Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen. Um dies zu gewährleisten, vollzog er mit der Königin die alten Rituale der Heiligen Hochzeit und des rituellen Opfers. Nur die mutigsten und tapfersten Männer, die sich durch ein hohes Verantwortungsbewusstsein auszeichneten, wurden für diese schwierige und ehrenvolle Aufgabe ausgewählt. Um sich zu beweisen, mussten sie Initiationsaufgaben lösen und sich in Wettkämpfen bewähren. Und sie mussten bereit sein, am Ende des Jahres den Verlust ihrer Macht, mitunter sogar den Tod zu ertragen. Dadurch bezeugte der König seine enge Verbundenheit mit den ewigen Zyklen des Lebens.

Die Beine des Herrschers sind so gekreuzt, dass sie das Zeichen Jupiters oder auch die Zahl Vier darstellen. Die Vier ist die Zahl der sichtbaren, irdischen Welt. Durch sie treten alle Dinge in Erscheinung. So ist sie ein Symbol der Entstehung der Materie durch Verstofflichung des Geistes und die fortwährende Verwandlung von Ideen in Wirklichkeit. Sie steht auch für die abgeschlossene materielle Schöpfung, für Ordnung und Überschaubarkeit. Die vier Himmelsrichtungen ordnen den Raum; die vier Tageszeiten, die vier Jahreszeiten und die vier Phasen des Mondes teilen die Zeit ein. Dem Herrscher kommt die Aufgabe zu, diese Ordnungsprinzipien zu nutzen, um sein Volk zur Blüte zu führen. Er vertritt die weltliche, menschliche Ordnung, die Wachstum und Stabilität ermöglicht. Doch genau wie die irdische Welt ist auch diese Ordnung vergänglich und gilt jeweils nur zu einer gewissen Zeit und an einem bestimmten Ort. Nur wenn der Jahreskönig sich dieser Tatsache bewusst bleibt, kann er seine Aufgabe erfüllen. Seine Haltung zeigt uns, dass er diese Grundwahrheit nicht nur mit dem Verstand begreift, sondern die daraus erwachsende Verantwortung mit seinem ganzen Sein, mit Körper, Geist und Seele annimmt.

Wir sehen auf der Karte, dass das Königreich dieses Herrschers kulturell in hoher Blüte steht. Seine helmförmige Krone ist elegant geschwungen, sein Thron und sein Schild sind fein ziseliert. Der Kaiser ist es, der das kreative Chaos der Kaiserin ordnet, umzäunt, erforscht, einteilt, verfeinert und weiterentwickelt. Darin liegt jedoch auch eine Gefahr. Gerade in unserer heutigen, patriarchalen Gesellschaft ist das Risiko hoch, dass die Kräfte des Kaisers entarten und jene Macht, die aus der Verbundenheit mit dem Urgrund des Lebens erwächst, sich in hierarchische Macht, also Macht über die Erde und die Wesen, die darauf leben, verwandelt. Wenn Geist und Körper nicht mehr als Einheit betrachtet werden, entstehen nur allzu leicht Gedankengebäude, welche die männliche Herrschaft des Geistes über die Natur propagieren. Dann führt der Entdeckergeist des Kaisers zur Ausbeutung des irdischen Lebens und seine Aufgabe, zu ordnen, zu analysieren und zu schützen, führt zur Entfremdung von der Natur. Der Herrscher betrachtet dann die Welt, die ihn umgibt, nur noch als Objekt und sieht sich selbst nicht mehr als Teil des Ganzen.

Der Kaiser des Tarot zeigt uns diese Gefahr und zugleich den Ausweg, ihr nicht zu erliegen. Obwohl er sein Reich in eigener Verantwortung regiert, bleibt er eng verbunden mit der Kaiserin, denn er schaut zu ihr zurück. Auch sein Wappenschild verbindet ihn aufs innigste mit der Göttin. Die beiden Vögel sehen sich nicht nur gegenseitig an, sondern der Vogel des Kaisers ist auch so gezeichnet, dass seine Flügel die Form des Thrones der Kaiserin wiederholen. Die Kaiserin und der Kaiser sind ein Paar. Beider Zepter zeigt den Reichsapfel, der die harmonische Vereinigung der irdischen mit der geistigen Welt symbolisiert. Die enge Verbundenheit des Jahreskö­nigs mit der Priesterkönigin/Göttin verspricht den Fortbestand, das Wachstum und die Fülle des Lebens. Nur wenn beide zusammen wirken, kann das Land blühen und gedeihen.

Vom Kaiser können wir lernen, uns den Herausforderungen des Lebens mutig zu stellen, unsere irdischen Angelegenheiten zu ordnen, uns den Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit zu fügen und unserem Dasein ein stabiles und geschütztes Fundament zu verleihen. Kreative Visionen, wie sie im Garten der Kaiserin geboren werden, brauchen eine klare, verlässliche Basis, um sich konkretisieren und entfalten zu können, und wir müssen mit unermüdlicher Beharrlichkeit an ihrer Verwirklichung arbeiten. Insofern gewährleistet der Jahreskönig jene Bedingungen, die nötig sind, damit die immerwährende Schöpferkraft der Großen Mutter zu voller Blüte gelangen kann.

Die auslösende Lebenssituation: Du bist aufgerufen, dich mit den Normen, Gesetzen und Rahmenbedingungen deines Lebens auseinander zu setzen. Jetzt ist es an der Zeit, Struktur in das Chaos zu bringen und deine Angelegenheiten zu ordnen. Du bist aufgefordert, deine Wünsche zu verwirklichen, deine Pläne in die Tat umzusetzen und in der Welt etwas zu schaffen, das Bestand hat. Beruflich steht die Karte für eine Zeit, in der du dich an klaren Vorgaben orientieren und festen Strukturen folgen musst. Du gehst jetzt besonders realistisch und pragmatisch vor, entwickelst klare Konzepte und übernimmst Verantwortung für dein Tun. Dadurch kannst du auch deine berufliche Machtposition und deine Stellung in der Gesellschaft festigen. In deinen Beziehungen deutet der Kaiser auf eine Phase der Verlässlichkeit und Stabilität hin. Du bemühst dich um ein festes Fundament für deine Beziehungen, triffst klare Vereinbarungen und arbeitest hart an der Verwirklichung deiner Wünsche. Wenn du alleine lebst, klären und verdeutlichen sich vielleicht deine Erwartungen an eine Beziehung.

Die Wurzel des Problems: Die Ursache für deine Schwierigkeiten sind deine allzu strengen, allzu perfektionistischen Überzeugungen, die du dir schon früh im Leben angeeignet hast. Du gehst hart mit dir ins Gericht. Leistung, Disziplin und Anerkennung sind deine Drogen, doch stehen diese deiner lebendigen Kreativität im Wege. Die Kehrseite der vierten Karte ist die unterdrückende Kontrolle. Vielleicht siehst du dich einer starren Reglementierung und Unterdrückung ausgesetzt, oder du selbst bist es, die derart strikte Vorgaben macht und andere unter Druck setzt. Die Entartung des Patriarchats, die Macht über etwas an die Stelle der Macht von innen zu setzen, ist das dunkle Gesicht des Kaisers, denn wenn er seine enge Verbindung zur Göttin und Mutter Erde verliert, wird er zum grausamen Despoten.

Innere Haltung: Du siehst die Dinge eher nüchtern, orientierst dich an Tatsachen, an konkreten Erfahrungen und an dem, was tatsächlich machbar ist. Mehr denn je bist du in der Lage, deine Angelegenheiten zu ordnen und ihnen ein festes Fundament zu geben. Gleichzeitig hast du ein großes Bedürfnis nach Ordnung, klaren Strukturen, Verlässlichkeit, Beständigkeit und eindeutigen Absprachen. Du bist in der Lage, deinen Standpunkt klar zu vertreten und in Übereinstimmung damit mutig und tatkräftig zu handeln. Die Karte kann auch für eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen von Macht stehen. Vielleicht leidest du unter den Strukturen des Patriarchats und bist auf der Suche nach lebenswerten Alternativen.

Das Geschenk: Der Kaiser lehrt dich, Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Dies setzt voraus, dass du deinen Anteil an deiner gegenwärtigen Situation erkennst. Es beinhaltet aber auch, den Einfluss bestehender Strukturen zu erkennen und dich Schritt für Schritt daraus zu lösen. Das gelingt nicht, indem du dich in Anklagen und Schuldzuweisungen verlierst, sondern nur indem du der Realität ins Auge siehst und dich mutig den Herausforderungen stellst, die auf dich warten mögen. Gelingt dir dies, wartet die Erfahrung der „Macht von innen“ auf dich, also die Entdeckung, dass du etwas bewirken und dein Leben selbst nach deinen Wünschen und Vorstellungen gestalten kannst.

Optimale Nahrung: Ordnung ist jetzt eine wichtige Nahrung für dich. Dies ist die richtige Zeit, um einmal radikal aufzuräumen, alles zu erledigen, was liegen geblieben ist, und auch deine Zeiteinteilung neu zu organisieren. Umgib dich mit klaren Mustern und Strukturen, z.B. Mandalabildern oder geometrischen Mustern. Auch Felsen, Berge und Steine sind jetzt wichtige Verbündete für dich. Achte auf eine mineralstoffreiche Nahrung und eine disziplinierte Lebensführung, die genug Raum für körperliche Betätigung lässt.

Heilende Lösung: Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Disziplin sind jetzt gefragt. Überlege gut, wem du dich anvertraust, aber wenn du deine Wahl getroffen hast, ist es notwendig, dass du dich an klare Absprachen und ärztliche oder therapeutische Verordnungen hältst. Heilsam ist es, wenn du die Normen und Gebote, an denen du dich orientierst, genau hinterfragst. Dienen sie dem Leben oder lähmen sie dich und engen dich ein? Nur da, wo Struktur Raum für Wachstum schafft oder es uns ermöglicht, uns auf das Wesentliche zu besinnen, bleibt sie im Kern lebendig. Finde heraus, an welchen Normen und Moralvorstellungen du dich orientieren willst. Bringe Ordnung in dein Leben und schaffe klare Verhältnisse.

Schlüsselworte: Irdische Ordnung • Aufräumen • Die eigenen Angelegenheiten regeln • Klare Verhältnisse schaffen • Systematische Zeiteinteilung • Erledigen, was liegen geblieben ist • Nüchternes, pragmatisches Vorgehen • Einen klaren Standpunkt vertreten • Mutiges, effektives und tatkräftiges Handeln • Weltliche Macht • Verlässlichkeit • Formulierung von Idealen und Moralvorstellungen • Verantwortung tragen • Lebensfähigkeit • Die vorgefundenen Bedingungen nutzen • Sehnsucht nach Sicherheit, Stabilität und Kontinuität • Festigung einer Machtposition • Autorität, Ehrgeiz und Disziplin • Klare Strukturen und Konzepte • Den Fortbestand des Erreichten sichern • Die Säulen von Zeit und Raum • Gesetze und Regelwerk • Soziale Normen • Gesellschaftliche Stellung

Die fünfte Karte zeigt uns einen alten, bärtigen Mann auf einem Thron, der den dreistufigen Hut eines Schamanen trägt. Der Stab in seiner linken Hand wiederholt die Dreiform seiner Haube. Seine Rechte ist zu einer Segensgeste erhoben. Vermutlich gilt sie den beiden Menschen/Männern, die im Vordergrund des Bildes rechts und links zu seinen Füßen sitzen und uns den Rücken zuwenden. Während bislang alle Karten, die wir betrachtet haben, nur eine Figur zeigten, begegnet uns in dieser Darstellung mit den beiden zusätzlichen Gestalten etwas Neues. Der Hierophant thront als zentrale Figur in der Mitte und wird von den beiden Personen im Vordergrund und den beiden aufrechten Säulen hinter ihm eingerahmt. Damit wiederholt sich die Fünfzahl der Karte auch in der bildlichen Darstellung.

Im traditionellen Tarot wird die Figur auf dem Bild oft als ‚Der Papst‘ bezeichnet. Doch ihre Wurzeln reichen zeitlich viel weiter zurück. Andere Namen dieser Karte wie etwa ‚Der Hohepriester‘ oder ‚Der Hierophant‘ verweisen eher auf vorchristliche Mysterienspiele zu Ehren der Göttin Demeter. Wollen wir die fünfte Karte ganz verstehen, müssen wir uns mit der Tradition mündlicher Überlieferung in matriarchalen Kulturen vertraut machen. Dort übernahmen ausgewählte Mitglieder der Gemeinschaft die Aufgabe, die gesamte kulturelle Überlieferung ihres Volkes – die Ursprungsmythen und Legenden, die Sagen der Kulturentstehung und der wichtigen geschichtlichen Ereignisse, die heiligen Gesänge und rituellen Formen – auswendig zu lernen und bei den verschiedenen Feierlichkeiten jenen Teil der Überlieferung zu erzählen, zu singen oder zu gestalten, der dem Thema des jeweiligen Festes entsprach. Das gehörte zum Amt der Priesterinnen und Schamanen.

Auf der fünften Etappe unserer Reise durch das Tarot begegnet uns solch ein Überlieferer der spirituellen Tradition. Er ist Medizinmann und Schamane, Hüter der alten Gesänge und Rituale, Sternenkundiger und Mittler zwischen den Welten – eine Verkörperung des menschlichen Strebens nach Rückverbindung (re-ligio) mit der Göttin und den Ahninnen und damit der Einbettung des Lebens in einen größeren Zusammenhang. In den alten Sagen um König Artus und die heilige Insel Avalon begegnet er uns als der Merlin. Während die Hohepriesterin die verborgene Weisheit im Inneren der menschlichen Seele hütet, gibt der Hierophant diese Geheimnisse – gekleidet in Glaubensgrundsätze, rituelle Handlungen und heilige Zeremonien – an andere Menschen weiter. Er ist von daher der Vertreter des formalen Aspekts jeder spirituellen und religiösen Tradition.

Der Hierophant weiß, wie wichtig es ist, für spirituelle Wahrheiten die passende Ausdrucksform zu finden. Denn jede Form, jedes Ritual trägt eine bestimmte Kraft in sich und entfaltet eine ureigene Wirkung. Diese Wirkung erreicht auch jene Menschen, die sich mit den dahinter liegenden Geheimnissen nicht vertraut gemacht haben. Ob Mandalas, Geomantie oder Ritualkunst – der Hohepriester ist bemüht, die innere Wahrheit in einer Weise abzubilden, die ganz unmittelbar die Seele berührt. Auf diese Weise vermittelt er uns ein tieferes Verständnis für die verborgenen Dinge und den umfassenden Sinn unseres Daseins. Dabei stellt er sich ganz und gar in den Dienst der Göttin und der Menschen.

Das religiöse Streben der Menschen zielt darauf hin, Gegensätze zu vereinigen. Dies wird in der Gestalt des Hohepriesters sichtbar, denn sein wallender Bart und seine weit schwingenden Gewänder kontrastieren die strenge Formgebung des Throns und der beiden Säulen im Hintergrund. Er ist ein Vermittler zwischen der Notwendigkeit ritueller Formen, symbolisiert durch die Säulen, und den lebendigen, sich ständig wandelnden Bedürfnissen und Gefühlen der Menschen vor ihm. Wo immer wir uns unsicher fühlen und noch nicht gelernt haben, unserer Intuition zu vertrauen, weist er uns den Weg und bietet uns den Halt, den spirituelle Traditionen mit ihren überlieferten Ritualen und Einweihungszeremonien geben.

Darin liegt jedoch auch eine Gefahr, sichtbar gemacht durch die unterschiedlichen Größenverhältnisse der Personen auf diesem Bild. Im Vergleich zum Hohepriester wirken die beiden Gestalten zu seinen Füßen geradezu winzig. Ähnlich wie beim Kaiser sind auch beim Hohepriester die Risiken der patriarchalen Entartung groß, wie die hierarchische Systeme der großen Weltreligionen und insbesondere das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit zeigen. Sobald der Hierophant nicht mehr im Dienste der Gemeinschaft und aus der natürlichen Autorität seiner in langen Jahren erworbenen Erkenntnis und Erfahrung heraus handelt, sondern sich im Glauben der eigenen Unfehlbarkeit über die Menschen erhebt, entartet seine spirituelle Kraft zu hierarchischer Macht. Dann vermag er Ratsuchende nicht mehr zu stärken und darin zu unterstützen, ihre ureigenen Kraftquellen zu erschließen, sondern hält sie in einem Zustand der Unmündigkeit und spirituellen Abhängigkeit.

Wir können jedoch davon ausgehen, dass der Hohepriester auf unserer Darstellung sich dieser Gefahr bewusst ist und sich hütet, ihr zu erliegen. Seine segnende Geste lässt zwei ausgestreckte Finger erkennen. Er weiß um Polarität des Daseins und versteht, dass die Wahrheit viele Gesichter hat. Dies schützt ihn davor, die eine, allein selig machende Wahrheit zu beanspruchen. Die drei übrigen Finger, die er verborgen hält, verweisen auf das Geheimnis der Dreifaltigen Göttin, das nicht offen verkündet, sondern nur im Vollzug der heiligen Rituale ganz unmittelbar erfahren werden kann. Seine dreischichtige Kopfbedeckung ähnelt jener der Hohepriesterin und ist ebenso wie das dreifache Kreuz seines Stabes ein Hinweis darauf, dass der Hohepriester alle drei Welten bewohnt. Er hält seinen Stab in der linken Hand; seine Autorität fließt eher aus dem Herzen als aus seiner Willenskraft. Die Hand, die den Stab hält, steckt in einem Handschuh. Dies mag ein Hinweis darauf sein, dass er eine Aufgabe innerhalb der Gemeinschaft erfüllt und es nicht um seine Persönlichkeit geht. Nur innerhalb seiner Funktion zeigt seine Autorität Wirkung.

Die beiden Personen vor ihm wenden uns ihren Rücken zu. Sie sehen den Herausforderungen des Lebens nicht direkt ins Gesicht, sondern ersuchen den Hohepriester um Rat und Führung. Im Gegensatz zu seiner ehrwürdigen Gestalt wirken die beiden fast wie Kinder. Nahezu identisch gekleidet und in ähnlicher Haltung besitzen sie keine eigene Individualität, sondern sind Teil einer größeren Einheit. Vielleicht kommen sie im Auftrag ihrer Sippe, um ihm ein schwieriges Anliegen zu unterbreiten. Obwohl der Hierophant deutlich größer gezeichnet ist als die beiden Ratsuchenden, tritt er doch mit ihnen in Beziehung und kommuniziert mit ihnen. Dieser Austausch macht eine Entwicklung möglich.

Die Zahl des Hohepriesters ist die Fünf. Die Zahl Fünf steht symbolisch für die Quintessenz, den Mittelpunkt und Kern allen Daseins, die letzte große Wirklichkeit, die über die Kraft der vier Elemente noch hinaus führt und diese in sich vereint (4 + 1 = 5). Sie ergänzt die drei Gesichter der Göttin durch die Gegensätze der menschlichen Erfahrung (3 + 2 = 5). In der Gestalt des aufrecht stehenden Pentagramms gilt die Fünf auch als ein Symbol des Menschen, dessen Kopf und Glieder die fünf Spitzen des Sterns festlegen.

In der Auseinandersetzung mit dem Hierophant können wir lernen, uns der Weisheit eines spirituellen Lehrers oder einer Lehrerin anzuvertrauen. Die Qualität, die wir auf diesem Schritt unseres Weges entwickeln, ist die der inneren Glaubensgewissheit, die auf dem Vertrauen in eine höhere Weisheit und nicht auf nachprüfbarer Erfahrung beruht. In der Begegnung mit dem Hierophanten lernen wir auch, wie und auf welche Weise wir uns mit Hilfe von Ritualen und Zeremonien in Über­einstimmung mit den kosmischen Abläufen bringen können. Dadurch erlangen wir Verständnis für den Sinn des irdischen Lebens und öffnen uns dem Geheimnis unseres Daseins.

Der Hohepriester repräsentiert jene Seite in uns selbst, die unser spirituelles Wohlergehen nährt, das tiefverwurzelte Gewissen, das uns kundtut, ob wir redlich und aufrichtig handeln und uns in Übereinstimmung mit uns selbst und den Gesetzen der Natur befinden. Diese Stimme kann so weise und zuverlässig sein, dass sie nahezu unfehlbar ist. Aber in ihrer Entartung kann sie uns auch in Ketten schlagen, wie wir auf einer späteren Karte sehen werden. Sobald die Stimme unseres inneren Hohepriester anfängt, uns selbst, die Welt im allgemeinen und bestimmte Personen im besonderen zu verurteilen, sollten wir sehr wachsam sein.

Die auslösende Lebenssituation: Du befindest dich in einer Lebensphase, in der du nach deiner wahren Bestimmung und Berufung suchst. Vielleicht musst du auch prüfen, inwieweit deine Handlungen – beruflich oder privat – sich mit deinem Gewissen vereinbaren lassen. In deinen Beziehungen kündigt der Hierophant eine Phase wachsenden Vertrauens und tiefer Zuneigung an, in der du die tiefere Bedeutung und Bestimmung deiner Verbindung erkennst. Wenn du allein lebst, zeigt die Karte, dass du dich jetzt dafür öffnest, einem Menschen zu begegnen, der die Tiefen deiner Seele berührt.

Die Wurzel des Problems: Du klammerst dich allzu sehr an moralische, ethische und spirituelle Normen, orientierst dich zu sehr an geistigen Führern, Gurus und spirituellen Autoritäten, anstatt deiner ureigenen Wahrheit Ausdruck zu verleihen. Die Kehrseite der fünften Karte ist der fanatische Dogmatismus, der immer dann zum Vorschein kommt, wenn die lebendige Weisheit in starren Strukturen erstarrt. Das große Risiko bei der Begegnung mit dem Hohepriester liegt darin, dich blind den Lehren eines anderen Menschen anzuvertrauen, weil du Angst haben, Verantwortung für dein eigenes Leben zu übernehmen. Insofern ist die Begegnung mit dem spirituellen Lehrer oder der spirituellen Lehrerin ein wichtiger Abschnitt auf deinem Weg, aber du darfst dort nicht hängen bleiben. Nicht umsonst fordern die nachfolgenden Karten der Großen Arkana dich auf, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst für dein Denken, Fühlen und Handeln einzustehen.

Innere Haltung: Du setzt dich in besonderem Maße mit Glaubensvorstellungen und moralischen Werten auseinander. Vielleicht entdeckst du für dich einen wichtigen spirituellen Weg oder gewinnst bedeutsame Einsichten. Mitunter hast du das Gefühl, endlich die Wahrheit gefunden zu haben. In diesem Zusammenhang kann die Karte auch für missionarischen Geist und Sendungsbewusstsein stehen. Vielleicht bist du aber auch auf der Suche, ringst mit alten Glaubenssätzen und stellst religiöse Autoritäten in Frage. In jedem Fall geht es darum, Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Lebens zu entwickeln.

Das Geschenk: Das Auftauchen des Hierophanten in deinem Legesystem ist ähnlich wie das der Hohepriesterin ein Zeichen von Segen und innerer Führung. Dir bietet sich die kostbare Gelegenheit, dein Vertrauen in das Leben zu vertiefen und einen Glauben zu entwickeln, der stark genug ist, dich angesichts der Härten des Lebens zu stützen und zu tragen. Jetzt kannst du Antworten auf wichtige Lebensfragen finden oder Verständnis für die tiefere Bedeutung schwieriger Situationen entwickeln. Wenn du dich verwirrt und ratlos fühlst, ist dies eine gute Zeit, dich der Weisheit eines erfahreneren Menschen anzuvertrauen. Vielleicht bekommst du einen wichtigen Rat, dem du folgen solltest, oder findest den Trost, nach dem du dich lange gesehnt hast.

Optimale Nahrung: Gebete und heilige Rituale sind jetzt eine wichtige Nahrung für dich. Suche Orte der Kraft und heilige Plätze auf, erkunde Kirchen, Tempel, Steinkreise, Naturheiligtümer. Eine kleine Gruppe Gleichgesinnter kann dich auf deiner Sinnsuche erheblich unterstützen. Teile deine Gedanken, deine Sehnsüchte und Zweifel mit anderen. Lies heilige Schriften und Bücher von Menschen, die du für ihre Weisheit und Erfahrung achtest, und befasse dich mit den alten Mythen und heiligen Gesängen der Menschheit.

Heilende Lösung: Diese Karte ist ausgesprochen verheißungsvoll. Sie ermutigt dich, dem Rat einer weisen Frau oder eines weisen Mannes zu vertrauen, und stärkt deine Aussicht auf eine baldige Heilung. Vor allem aber verweist sie dich auf die Führung deines inneren Selbst. Prüfe stets, ob die Weisheit, die du außen findest, in dir auf Widerhall stößt. Das bedeutet nicht, dass du dir sicher bist, sondern dass du darauf vertraust, dass es wahr ist. Werde dir klar, was du wirklich glaubst, welchen moralischen Grundsätzen du folgst und welche spirituellen Autoritäten du anerkennst. Und dann geh entschlossen den Weg, den du gewählt hast.

Schlüsselworte: Welt des Glaubens • Sinnsuche • Tiefreichende Einsichten • Erkenntnis und Weisheit • Geborgenheit und Vertrauen, die aus einer Glaubensgewissheit entspringen • Führung des inneren Selbst • Moralische Grundsätze • Religion • Ethik • Die spirituelle Autorität • Der Bewahrer der Initiationsgeheimnisse • Verbindung von Himmel und Erde, Spiritualität und Alltag, Geist und Instinkt • Der formale Aspekt von Religion und Mystik • Festigung und Erhaltung der alten Traditionen • Rituale als Vehikel der Kraft • Gruppen und spirituelle Zirkel • Auseinandersetzung mit Glaubensgrundsätzen und weltanschaulichen Wertmaßstäben • Die Dinge aus einer höheren Perspektive sehen

Die sechste Karte zeigt eine Hochzeit. Zum ersten Mal in der Reihe der Tarotkarten steht auf diesem Bild nicht mehr eine einzige Person im Mittelpunkt, sondern wir sehen mehrere gleich große Personen. Ein Mann und eine Frau, berührt vom Zauber der Liebe, besiegeln ihre Entscheidung füreinander durch ein Eheversprechen. Eine Priesterin vollzieht dieses uralte Ritual und segnet das junge Paar. Die drei Personen stehen eng nebeneinander. Die junge Frau berührt das Herz ihres Geliebten und beide gemeinsamen schauen aufmerksam zu der älteren Frau, die ihre Hand segnend auf die Schulter des Mannes gelegt hat. Über den dreien, in der oberen Hälfte der Karte, schwebt in einem Strahlenkranz der geflügelte Gott Eros, der mit seinem Pfeil direkt auf die beiden Liebenden zielt.

Die Darstellung zeigt ein wichtiges Ereignis im menschlichen Leben: die liebende Verbindung zweier Menschen. Doch die Zeremonie, die auf der sechsten Karte dargestellt ist, geht weit über unser heutiges Verständnis der Ehe hinaus. Wir sehen hier den Großen Ritus, die Heilige Hochzeit der matriarchalen Kulturen. Jeweils zur Sommersonnwende verpflichtete sich der Jahreskönig durch dieses Ritual der Göttin und dem Land, indem er die geheiligte, rituelle Ehe mit der Priesterkönigin einging. Es war ein Ausdruck seiner tiefen Liebe zum Leben und seiner hohen Verantwortung für dessen Fortbestand, denn in der Regel setzte die Heilige Hochzeit die Bereitschaft des Jahreskönigs voraus, sich zu einem späteren Zeitpunkt zu opfern. Insofern steht die sechste Karte natürlich für die Erfahrung tiefer Liebe und Verbundenheit.

Interessant ist die numerische Verbindung zwischen der Karte ‚Die Liebenden‘ und der 14. Karte mit dem Titel ‚Mischung‘ oder ‚Das rechte Maß‘, auf welcher ein Engel Wasser aus einem Gefäß in ein anderes schüttet. Im Tantra gilt eine von der Göttin gesegnete sexuelle Vereinigung als so vollkommen wie „das Fließen von Wasser ins Wasser“. Durch die Verbindung zweier liebender Seelen vollzieht sich eine tiefgehende Verwandlung. Keiner von beiden wird unverändert daraus hervorgehen. Der englische Name der 14. Trumpfkarte, ‚Temperance‘, wird vom lateinischen ‚temperare‘ abgeleitet, was soviel wie ‚Elemente vermischen oder zusammenfügen‘ bedeutet. Eine andere Ableitung dieses Wortes ist das Temperament, das als spezielle Mischung der vier Elemente verstanden wird und unsere Persönlichkeit entscheidend färbt. Noch einmal wird hier der Bezug zur sechsten Trumpfkarte deutlich, denn für die Ehe bedarf es des passenden Temperaments, das durch die Mäßigung des Verhaltens durch Höflichkeit und Güte entwickelt werden muss. Vielleicht ist dies eine der Weisheiten, welche die ältere Frau dem jungen Paar auf der Darstellung der Liebenden mit auf den Weg gibt.

In manchen Versionen heißt diese Karte auch ‚Die Entscheidung‘. Dieser Name gibt uns einen wichtigen Hinweis auf eine weitere Bedeutung der Karte. Nachdem wir auf unserer Reise mit dem Narren dem Magier, der Hohepriesterin, der Kaiserin, dem Herrscher und dem Hierophanten begegnet sind und von ihnen allen lernen durften, ist die Zeit für uns gekommen, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Alles, was wir dafür brauchen, haben wir uns in der Begegnung mit den fünf vorhergehenden Karten erworben: Wissen und magische Kraft, Hingabe und Geduld, Inspiration und Kreativität, Mut und Verantwortungsgefühl, Lebenssinn und spirituelle Weisheit. Nun sind wir reif, unser Herz zu befragen und den Weg zu gehen, den es uns weist. Von daher ist die Gabe, die wir in dieser Karte entdecken, unsere Fähigkeit, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele ja zu sagen – zu einem Menschen, einem Beruf, einer Lebensentscheidung. Erst dieses Ja macht den Menschen oder die Situation, für die wir uns entscheiden, zu dem oder der richtigen und öffnet uns für die wahre Erfahrung der Liebe.

Die Anwesenheit des geflügelten Liebesgottes auf diesem Bild zeigt uns, dass die wahren Lebensentscheidungen nicht aufgrund rationaler Überlegungen und sorgfältiger Erwägungen getroffen werden können. Wären wir tatsächlich in allem, was wir tun, völlig frei, wir würden an so mancher Entscheidung vermutlich verzweifeln. Aber es gibt eine Kraft, die größer ist als wir, eine Kraft, die uns leitet. Eros, der Sohn der Göttin Aphrodite, die uns auf dem Bild der Kaiserin bereits begegnet ist, inspiriert das Herz der beiden Liebenden und lenkt dadurch ihre Schritte. Ebenso keimt im besten Fall die Gewissheit, mit der wir selbst unsere Entscheidungen treffen, in der unsichtbaren Tiefe unserer Seele auf, inspiriert vom Geist der Göttin.

Im Tarot finden sich immer wieder zahlreiche Hinweise auf das Gesetz der Polarität und die beiden Seiten der Wirklichkeit. Auch das Ja dieser Karte trägt gleichzeitig ein Nein in sich, denn jede Entscheidung, die wir treffen, ist untrennbar verbunden mit der Absage an einen anderen Lebensweg. Gerade wenn wir uns aus ganzem Herzen auf einen Menschen einlassen, nehmen wir damit Abschied von der Ungebundenheit des Single-Daseins und den vielen anderen Partnern, die möglicherweise für uns noch in Frage gekommen wären. Dasselbe gilt für zahlreiche Entscheidungen unseres Alltagslebens, auch jene, die mit Beziehungen gar nichts zu tun haben. Solange wir uns stets ein Hintertürchen offen halten und insgeheim hoffen, noch etwas Besseres zu finden, bleibt unser Leben oberflächlich und halbherzig. Erst die Bereitschaft, uns freiwillig zu beschränken, und uns aus ganzem Herzen für eine Angelegenheit zu entscheiden, erschließt uns den kostbaren Schatz, der darin verborgen liegt.

Die Zahl Sechs gilt bei Pythagoras als die erste vollkommene Zahl, weil ihre Teiler (1, 2 und 3) addiert wiederum Sechs ergeben. Die Sechs gilt von daher auch als Zahl der Vollkommenheit. Sie wird häufig als sechszackiger Stern dargestellt. Dieser ist aus zwei Dreiecken zusammengesetzt, von denen eines mit der Spitze zum Himmel weit und das andere nach unten gerichtet ist. Das obere der beiden Dreiecke gilt gemeinhin als Feuer-Dreieck, das untere als Wasser-Dreieck. Diese Symbolik erinnert uns von neuem an die Karte ‚Mischung‘. Und tatsächlich ist der sechszackige Stern auch das Symbol der mystischen Hochzeit von Shiva und Shakti. Somit werden wiederum sowohl sexuell-erotische Bezüge deutlich, als auch die Verwandlung zweier Seelen durch die Kraft der Liebe. Nicht zuletzt stellt der sechszackige Stern stellt die Verflechtung von Mikro- und Makrokosmos dar und bildet insofern der uralten Grundsatz des „Wie oben, so unten“ ab.

Die sechste Karte weiht uns in die alles verwandelnde Kraft der Liebe und das Geheimnis wahrer Herzensentscheidungen ein. Sie lehrt uns, aus tiefster Seele Ja zu sagen – zu uns selbst, einer Berufung, einer Person oder einem bestimmten Weg – und uns voll und ganz einzulassen auf das, was durch diese Wahl auf uns zukommt. Doch in der Auseinandersetzung mit dieser Karte lernen wir auch, dass die Gabe, eine solche Entscheidung zu treffen, uns oft aus Quellen zufließt, die unserem bewussten Verstand und unserem Willen entzogen sind.

Die auslösende Lebenssituation: Die Karte der Liebenden steht einerseits für eine große und tiefe Liebeserfahrung, andererseits für die Notwendigkeit einer Entscheidung. Du findest dich in einer Situation wieder, an der du zwischen mindestens zwei Alternativen wählen musst. Deine Wahl ist nicht belanglos, sondern wird den weiteren Verlauf deines Lebensweges entscheidend beeinflussen. Jetzt bist du aufgefordert, dich aus tiefstem Herzen zu entscheiden, ohne dir ein Hintertürchen offen zu halten. Beruflich kann es sich um eine Richtungsänderung handeln, eine neue Stelle oder einen neuen Aufgabenbereich. Im Bereich deiner Beziehungen kündet die Karte von einer tiefen Liebeserfahrung, die bloße Verliebtheit weit übersteigt. Auch diese Erfahrung wird jedoch nur dann möglich, wenn du dich von ganzem Herzen auf diesen Menschen einlässt, so wie er ist, und nicht länger auf den imaginären Traumprinzen wartest.

Die Wurzel des Problems: Erscheinen die Liebenden an der Wurzel des Geschehens, dann liegen die Ursachen für das, was dich plagt und quält, in einer tiefen Herzensangelegenheit. Womöglich befindest du dich in einer schwierigen Liebesbeziehung, die dich völlig aus der Bahn wirft, dich aufrüttelt und zutiefst verwandelt. Mitunter spricht aus dieser Karte aber auch nur eine unbändige Sehnsucht nach Liebe. Zudem steht sie für wichtige Entscheidungen. Entweder hast du eine Entscheidung getroffen, die dir nun Kopfzerbrechen bereitet, oder du stehst vor einer bedeutsamen Wahl und musst nun die Verantwortung für das übernehmen, was du zu tun gedenkst. Womöglich steht die Karte auch für deine Unfähigkeit, dich zu entscheiden, weil du zwischen zwei gleichermaßen attraktiv erscheinenden Alternativen gefangen bist. Sie kann auch auf starke innere Widersprüche hinweisen, die nur durch einen liebevollen Umgang mit dir selbst zu lösen sind. Die Kehrseite dieser Karte sind die unerreichbare Liebesideale, die vor allem dann entstehen, wenn es dir nicht gelingt, dich selbst zu lieben und dich mit den unterschiedlichen Seiten deiner selbst auszusöhnen. Sie kann sich auch als blinde Leidenschaft äußern, die dich ganz deinen eigenen Gefühlen ausliefert.

Innere Haltung: Du bist bereit, das, was gerade geschieht und in dir vorgeht, mit ganzem Herzen anzunehmen. Du lässt dich darauf ein und öffnest dich dafür, dich durch die Ereignisse berühren und verwandeln zu lassen. Die Karte spiegelt dein Bewusstsein dafür wieder, dass Schmerz zwar unvermeidlich ist, Leiden aber eine Wahl darstellt. Indem du dich nicht länger gegen das wehrst, was dir widerfährt, vermeidest du unnötiges Leid. Du triffst deine Entscheidungen in dieser Situation ganz bewusst und lässt dich dabei von deinem Herzen leiten. Widerstrebende Impulse in deinem eigenen Inneren verbindest du durch liebevolle Achtsamkeit.

Das Geschenk: Dir bietet sich nun die kostbare Gelegenheit, eine tiefgehende Liebeserfahrung zu machen. Dabei kann es um die Liebe zu dir selbst, zu einer bestimmten Person oder zu anderen Aspekten und Erscheinungsformen des Lebens gehen. Diese Erfahrung wird dich zutiefst verwandeln und die liebevolle Beziehung zu dir selbst und deiner Umwelt nähren und stärken.  Sie kann dir auch helfen, widersprüchliche Seiten deiner eigenen Seele auf liebevolle Weise zu verbinden und anzunehmen. Dein Problem kann dich lehren, dein zu Herz öffnen und das, was gerade geschieht oder womit du konfrontiert bist, kompromisslos zu bejahen.

Optimale Nahrung: Umgib dich mit allem, was du liebst. Suche Orte und Plätze auf, die dein Herz berühren. Besuche Menschen, die du liebst, oder lade sie zu dir ein. Tue Dinge, die dir Freude bereiten. Errichte in deiner Wohnung einen Heilaltar mit allen Gegenständen, die ein Gefühl zärtlicher Liebe in dir wecken, oder gestalte ein entsprechendes Mandala-Bild. Auch Äpfel und Hagebutten als Früchte der Liebesgöttin sind jetzt eine wichtige Nahrung für dich.

Heilende Lösung: Nimm dir Zeit, die widerstreitenden Seiten deiner Seele anzuhören und dich mit ihnen auszusöhnen. Gib ihnen den Raum, den sie brauchen, und nimm sie so an, wie sie sind. Der Weg zu einer heilenden Lösung führt in erster Linie über eine liebevolle Beziehung zu dir selbst. Es ist jetzt besonders wichtig, dass du das, was da ist, von ganzem Herzen bejahst, anstatt dich dagegen aufzulehnen. Vielleicht bist du nun aufgerufen, eine beherzte Entscheidung zu treffen. Nimm dir die Zeit, die nötig ist, um dir über die Konsequenzen deiner Wahl klar zu werden, doch dann entscheide dich.

Schlüsselworte: Notwendigkeit, eine Entscheidung zu treffen • Wichtige Entscheidung • Selbstverantwortung • Die Konsequenzen einer Wahl gut bedenken und sich dann aus vollem Herzen entscheiden • Klares Bekenntnis • Große Liebeserfahrung • Liebende Verbindung • Liebesbereitschaft • Liebesglück • Bindungswille • Bindungsfähigkeit • Gute Beziehungen • Liebe und Verständnis • Zärtlichkeit und Hingabe • Die Liebe als verbindende, schöpferische Urkraft des Lebens • Austausch von Energien • Sexualität und Erotik • Der großen Liebe begegnen • Eine neue Phase intensiver Liebe • Sich mit Liebe einer Aufgabe widmen • Öffnung nach außen • Die Begegnung mit anderen Menschen suchen • Unerreichbare Liebesideale • Selbstaufgabe • Entscheidungsschwäche •  Innere Widersprüche • Blinde Leidenschaft