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Archive for the ‘Die großen Arkana’ Category

Auf der ersten Karte der Großen Arkana sehen wir einen jungen Mann in einer hügeligen Landschaft. Er ist mit einem breitkrempigen Hut und dem bunten Kostüm eines Gauklers bekleidet und steht neben einem großen Stein, auf dem seine magischen Werkzeuge ausgebreitet liegen. Den Zauberstab erhoben, ist er bereit, uns seine Kunststücke vorzuführen. Vielleicht geht es ihm darum, den Fall der Würfel zu beeinflussen, die er gerade wirft. Ganz offensichtlich bereitet es ihm Vergnügen, sein Publikum auf spielerische Weise zu verblüffen. Doch es bleibt unklar, ob seine Kunststücke nur illusionärer Schein sind oder magische Wirklichkeit. Sein Blick ist kaum zu deuten: Während ihm einerseits der Schalk aus den Augen blitzt, scheinen sie gleichzeitig das Wissen um die tiefsten Geheimnisse des Lebens widerzuspiegeln und seine Geste ist ernst und erhaben.

Mag der Magier auch als Mensch erscheinen, so ist die erste Gestalt, der wir auf unserer Reise mit dem Narren gegenübertreten, in Wirklichkeit ein Sohn der Göttin: Es ist niemand anderer als Hermes-Merkur, den wir auf dieser Karte sehen. Im antiken Griechenland und in der römischen Kultur galt er als geflügelter Bote und Wanderer zwischen den Welten. Die Menschen verehrten ihn als Führer der Seelen im Totenreich, Gott der Offenbarungen und Begleiter auf irdischen und spirituellen Reisen. Seine Kunst, die erste, mit der wir uns vertraut machen dürfen, ist die der Magie. Nach außen hin mag sie uns als Taschenspielertrick erscheinen, denn Magie hat immer etwas Leichtfüßiges und Spielerisches an sich. Doch dahinter verbirgt sich die uralte Weisheit von Merkurs Mutter, der Schlangengöttin Maia, die als Großmutter der Magie galt. Von ihr erhielt Hermes-Merkur all sein Wissen und durch sie wurde er zum Boten und Vermittler zwischen den Welten: der himmlischen, der irdischen und der Unterwelt. Wir können uns keinen geeigneteren Führer auf unserer Reise durch die Bilderwelt des Tarot wünschen als ihn, der in allen drei Welten zu Hause ist.

Auf dem Bild hat der Magier seinen Zauberstab erhoben. Mit dem Stab vermag er Energie zu sammeln, sie zu lenken und ihr eine Richtung zu geben. Doch er hält den Stab in seiner linken Hand, nicht in der rechten. Seine Fähigkeit, die Wirklichkeit nach seinen Vorstellungen zu gestalten, ist nicht das Ergebnis rationaler Überlegungen oder erworbenen Wissens. Sie ist ein direktes Geschenk seiner instinktiven Natur und seiner ursprünglichen Emotionen. Nur durch seine Verbindung mit den aufnehmenden, empfänglichen Seiten seines Wesens und durch die Verwandtschaft zu seiner Mutter Maia entsteht seine magische Kraft. Deshalb trägt er auch den Schlangengürtel, das Zeichen der uralten Göttin.

Der Magier vermag Dinge zu verwandeln oder verschwinden zu lassen. Er verwirrt uns, lässt uns an unseren Sinnen zweifeln – und genau das ist seine Absicht. Mit seinem Verwandlungszauber erinnert er uns daran, dass alles, was wir sehen und wahrnehmen, nur „Maja“ ist: Schein und Illusion. Wir erkennen nicht das Wesen der Dinge, sondern sehen nur Erscheinungsformen der Wirklichkeit. In ihrem Kern aber sind all diese Erscheinungen eins. Nur deshalb ist es dem Magier möglich, jede Substanz in eine andere zu verwandeln. Seine Magie wirkt weniger durch den zielgerichteten Willen als durch Einbildungskraft und Spiel. Wer erfolgreich und wirkungsvoll zaubern will, braucht eine lockere Hand, Neugier und Experimentierfreude sowie viel Humor. Die Fähigkeit, alles für möglich zu halten, ist eine ganz elementare Grundlage jeder magischen Handlung. Aus dem Chaos des Narren kann alles gerufen und geformt werden. Und der Magier ist in der Lage, jederzeit das Unerwartete möglich zu machen und die schöpferische Kraft des immerwährenden Augenblicks zu nutzen.

Die drei Würfel, die aus seiner rechten Hand fallen, verweisen uns auf das spielerische Element des Zufalls. Die Eigenart des Zufalls ist es, einer höheren Ordnung zu folgen, während gleichzeitig jedes einzelne Ereignis unwägbar und unvorhersehbar erscheint. Obwohl wir die Gesetzmäßigkeiten des Zufalls berechnen können, ist es uns mit rationalen Mitteln nicht möglich, kommende Ereignisse zu durchschauen. Dabei verlockt und verzaubert uns gerade der Zufall in vielfältiger Weise; zahllose Glücksspiele und Spielcasinos zeugen von dieser Tatsache. Die Dreizahl der Würfel verweist uns auf die drei Schicksalsgöttinnen, denen wir auf der zehnten Karte des Tarot begegnen werden. Der Magier ist sich der Macht des Schicksals sehr wohl bewusst und dennoch gestaltet und beeinflusst er sein Geschick in jedem Augenblick durch sein magisches Tun.

Dass der Magier in der Lage ist, gegensätzliche Seiten der Wirklichkeit auf kreative Weise zu verbinden, zeigt sich auch in seiner Kleidung. Sein Hut hat die Form einer Lemniskate, einer liegenden Acht. Dieses Symbol repräsentiert die schöpferischen Gegensätze des Lebens, die bis in alle Unendlichkeit kreisen, fließen und sich ineinander verwandeln. Auch die Farbe seiner Kleidung weist diese widersprüchlichen Elemente auf: Das Rot steht für die animalische Energie lebendiger Leidenschaft, für Aktivität und emotionale Ausdruckskraft. Das Blau hingegen repräsentiert die himmlische Energie: Ruhe, Hingabe und seelisch-geistige Aufnahmefähigkeit. Diese beiden Farben sind im Kostüm des Magiers bewusst einander gegenüber gestellt. Sie scheinen gegensätzlich und doch untrennbar miteinander verbunden im ewigen Wechsel von Anziehung und Abstoßung. Durch diesen Kontrast scheint der Magier vor Energie nur so zu sprühen.

Die goldene Krone seines Hutes, die goldene Gürtelschnalle und der Stab in seiner Hand verbinden ihn mit der magischen Sonnenkraft. Das Goldgelb, das ihn schmückt, ist die Farbe des Lichtes und der Erleuchtung. Die Zahl seiner Karte, die Eins, verbindet ihn mit der Kraft des Himmels und des Geistes. Sie symbolisiert die ursprüngliche Einheit hinter der Mannigfaltigkeit, den Ursprung und Ur­an­fang aller Dinge, den Funken, der das Feuer der Wirklichkeit entfacht, und den Samen, in dem alles enthalten ist. Die Eins ist hell, strahlend und alles durchdringend, doch sie kann immer nur in der Beziehung zu einem anderen erfahren werden. Wir Menschen sind nicht in der Lage, die Einheit zu erfassen, sondern brauchen die Zwei der folgenden Karte, um wirklich zu verstehen. Erst im Spiel der Gegensätze erkennen wir den Zauber der Einheit.

Magie im Sinne dieser Karte ist die Kunst der allumfassenden Kommunikation, der kreativen Imagination, der Gestaltung von Wirklichkeit. Um wirkungsvoll Magie weben zu können, müssen wir wissen, was wir bewirken wollen. Von daher verbindet uns diese Karte mit der Erfahrung einer klaren Zielsetzung und der Fähigkeit, die Welt nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Dies geschieht nur selten in Form eines magischen Rituals. Viel häufiger ist es die Magie des Alltags, die sich in unserem Denken, unserer Sprache und unserem täglichen Handeln widerspiegelt. Tatsächlich prägen unsere Gedanken und unsere Sprache die Wirklichkeit, in der wir leben, in weitaus größerem Maße als so manches Ritual, denn unsere Taten fließen entlang unseres Bewusstseins.

Die erste Karte fordert uns auf, uns mit dem alltäglichen Handwerkszeug der Magie vertraut zu machen: rufen, locken, beschwören, bannen, binden, lösen, besprechen, wandeln, rasseln, tanzen, summen, lachen und singen – Kommunikation in jeder Form! Es ist die Gabe, die es uns ermöglicht, die Geheimnisse der Elemente zu erkunden und die magischen Werkzeuge, die auf dem Tisch des Magiers liegen, klug zu nutzen. In der Gestalt von Hermes-Merkur verbinden sich Standfestigkeit, Klugheit, Geschicklichkeit und klares Wollen mit spielerischer Leichtigkeit, Freude an der Verwandlung und einer grenzenlosen Heiterkeit – und all diese Gaben stehen uns nun zur Verfügung.

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Die auslösende Lebenssituation: Du stehst vor einer Herausforderung, die Erfolg verspricht. Doch der Wille allein reicht nicht, um sie zu bestehen. Dies ist eine Situation, in der ideenreiche Gestaltungskraft, lebenskluger Humor und eine klare Zielsetzung wichtig sind, um dich zu behaupten. Wenn du nicht genug Klarheit, Beherztheit und Heiterkeit besitzt, dich auf das zwielichtige Spiel des Magiers einzulassen, drohen am Ende Enttäuschung und Desillusionierung. Im beruflichen Bereich steht die Karte für das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen, die Bewältigung von Herausforderungen, wirtschaftlichen Erfolg oder beruflichen Aufstieg. In deinen Beziehungen beschreibt sie die Erfahrung von Faszination und magischer Anziehung, aber auch eine Situation, in der es dir besonders schwer fallen mag, zwischen Schein und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Die Wurzel des Problems: Die Ursache deines Problems liegt in deinen Gedanken, Worten und Taten. Das, was du gerufen hast, ist Wirklichkeit geworden. Das Schicksal, mit dem du konfrontiert bist, hast du selbst gestaltet. Sei dir darüber im Klaren, dass deine Gedankenmuster und die daraus resultierenden Handlungen das gegenwärtige Geschehen entscheidend beeinflussen. Möglicherweise bist du der Illusion verfallen, alles bewirken, alles beeinflussen zu können, und hast dabei völlig aus dem Auge verloren, dass Magie sich immer nur mit der Flussrichtung und den Strömungen des Lebens bewegen kann, nie dagegen. Wenn du etwas zu sehr willst, blockierst du den natürlichen Fluss der Dinge. Sobald du dich auf eine Sache versteifst und dich darauf fixierst, verlierst du die spielerische, entspannte Grundhaltung, die für jede Art der Magie unabdingbare Voraussetzung ist. Vielleicht hast du deine Fähigkeiten auch missbraucht, um andere zu blenden und zu manipulieren. Die Kehrseite des Magiers heißt Blendung.

Innere Haltung: Auf der inneren Ebene repräsentiert der Magier das Vertrauen in dein Können und dein Wissen. Du weißt genau, was du willst, und besitzt eine kraftvolle, lebenskluge Ausstrahlung. Durch deine Bereitschaft, all deine Energie auf die Verwirklichung deiner Visionen zu konzentrieren, bist du in der Lage, nachhaltig Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Du begegnest den Schwierigkeiten, die sich dir in den Weg stellen, mit wachem Verstand und spielerischer Leichtigkeit. Der Magier verweist auf einen gelassenen Glauben an deine Fähigkeiten und deine individuelle Einzigartigkeit, der dir den Mut gibt, offen auf andere zuzugehen und mit fröhlicher Bestimmtheit aufzutreten, ohne dich selbst zu ernst zu nehmen. Du ergreifst die Initiative und nimmst ganz gezielt Einfluss auf den Lauf der Ereignisse. Die spielerische Grundhaltung, mit der du Hürden und Hindernissen entgegentrittst, gepaart mit dem festen Glauben an deine eigene Kraft, hilft dir jetzt entscheidend weiter.

Das Geschenk: Dir bietet sich jetzt die kostbare Gelegenheit, ein tiefes Verständnis für die Zauberkunst des Alltags und die Geheimnisse der Sprache und der Kommunikation zu gewinnen. Dies ist eine gute Zeit, Verbündete zu gewinnen oder deine magischen Fähigkeiten zu schulen. Wenn du dich optimal nährst, erschließt du neue Kraftquellen, entfaltest deine Eigenmacht und erwirbst die Fähigkeit, dein Leben bewusst in die Hand zu nehmen und nach deinen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten.

Optimale Nahrung: Nutze die Kraft der Magie beim Kochen. Rückhalt und Stärke sowie die notwendige Nahrung für deinen Körper und deine Seele findest du jetzt in den vier Elementen, in deinen magischen Werkzeugen und in allen Ritualen und Handlungen, die diese mit einbeziehen. Besonders nährend und heilsam ist es, wenn du mit den vier Elementen direkt in Kontakt trittst, z.B. indem du zu ihnen sprichst oder mit ihnen singst und dich darin übst, ihre Sprache zu verstehen. Humor und Lachen tun dir jetzt gut, sowie alle Spiele und Beschäftigungen, die den Zufall anerkennen. Auch die Kraft der Worte, Gespräche, Gesänge und Anrufungen nähren dich in besonderem Maße.

Heilende Lösung: Dies ist eine gute Zeit für Heilungszauber und Heilungsrituale, vor allem wenn du die vier Elemente oder die vier magischen Werkzeuge einbeziehst. Du kannst den Krankheitsverlauf jetzt in hohem Maße selbst beeinflussen. Dabei solltest du vor allem die Wirklichkeit hinterfragen, die du dir selbst mit deinem Denken und Fühlen gestaltest. Vertrau dir selbst und deiner eigenen Kraft. Warte nicht auf Hilfe von außen oder auf eine Fügung des Schicksals, sondern nimm dein Leben selbst in die Hand. Finde heraus, was du willst, und tu, was nötig ist, um deinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Nutze die heilende Kraft des Lachens.

Schlüsselworte: Außerordentliche Kraft • Einflussvermögen • Klarblick • Weitsicht • Gelassener Glaube an die eigenen Fähigkeiten • Die Energien richten sich auf einen Brennpunkt • Die Kraft der klaren Zielsetzung und die Fähigkeit, alles für möglich zu halten, als Grundlage der Magie • Aktive Meisterung einer Angelegenheit oder eines Themas • Das eigene Schicksal mitgestalten • Selbstverantwortung • Wille zur Gestaltung und Veränderung der Dinge • Wie oben, so unten • Die Verschmelzung von Bewusstem und Unbewusstem • Die Einheit hinter der Mannigfaltigkeit • Mit allen Elementen umgehen können • Handhabung der vier magischen Werkzeuge (Denken, Fühlen, Wollen, Handeln) • Zwischen den Welten wandern • Illusion und Verwandlung • Spielerische Weisheit • Leichtfüßige Kommunikation • Wache Lebensklugheit • Geschicklichkeit • Humor • Magnetische Persönlichkeit • Die Hexe • Der Zauberer

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Die zweite Karte zeigt uns die Gestalt einer reifen Frau, die uns mit wachen, aufmerksamen Augen anblickt. Sie trägt eine kunstvoll geschmiedete Krone aus Silber, geschmückt mit Symbolen der drei Mondphasen. Ihr Haar ist unter einem weißen Schleier verborgen und ihre Kleidung ist die einer Priesterin. Ruhig, gelassen, unerschütterlich sitzt sie auf ihrem Thron und hält in den Händen ein Buch. Es ist, als würde sie schon seit Ewigkeiten dort sitzen, und vermutlich wird sie bleiben, bis die Welt vergeht. Ihr Blick ist aufmerksam, hellwach, ganz da. Sie tut nichts. Sie schaut. Sie sieht. Und sie weiß. In der Stille ihrer Seele scheint sie alle Geheimnisse des Universums zu hüten. Wer ist diese Frau, deren Blick bis auf den Grund unseres Seins vorzudringen scheint?

Die Hohepriesterin ist die Hüterin der weiblichen Weisheit und insofern eng verbunden mit der Göttin Sophia, die noch im frühen Christentum anstelle des Heiligen Geistes als weiblicher Aspekt Gottes verehrt wurde. Manche Deutungen bringen sie mit der jungfräulichen Göttin selbst in Verbindung. Ihre individuelle Persönlichkeit wird kaum sichtbar. Eingehüllt in das Gewand einer Priesterin, das Haar verborgen unter einem Schleier hat sie sich vollständig der Göttin geweiht, ist ganz und gar aufnahmebereit für ihre Botschaften und ihre Weisheit. Nicht umsonst liegt das Buch in ihrem Schoß. Sie ist bereit zu empfangen. Durch ihre vollkommene Offenheit wird sie zum Gefäß für eine Macht, die größer ist als sie. Die Weisheit, die ihr geschenkt wird, bewahrt sie in ihrem Herzen und hütet sie geduldig, bis die Zeit gekommen ist, sie zu offenbaren. Als Priesterin der Sophia beherrscht die Frau auf dem Thron auch die Gabe der Prophetie, der Weissagung und der Orakelkunst.

Der kostbare Silberschmuck auf ihrem Kopf zeigt uns, dass sie ihre Macht und ihre Weisheit ganz und gar durch die dreigesichtige Göttin empfängt. Und genau wie der Magier ist sie in allen drei Welten zuhause: der himmlischen, der irdischen und der Unterwelt. Verwoben mit dem weißen Schleier erinnert ihr Kopfschmuck an ein Ei, das Symbol der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens, das im Schutz einer festen Schale heranreifen kann. Die Hohepriesterin ist es, die den göttlichen Funken schöpferischer Eingebung empfängt, schützt und nährt und ihn schließlich – wenn die Zeit gekommen ist – zur Welt bringt. Sie ist das Gefäß der Verwandlung. Durch sie wird der göttliche Geist irdische Wirklichkeit. Darum heißt es in den alten Mythen, dass kein Gott ohne den Geist der weiblichen Weisheit Macht auszuüben vermag.

Der Hohepriesterin geht es nicht darum, die Wirklichkeit zu gestalten oder zu verändern, sondern sie in ihrem tiefsten Inneren zu ergründen. Anders als der Magier greift sie in das Geschehen des Lebens nicht ein, sondern vermag den Ereignissen geduldig und gesammelt ihren Lauf zu lassen im Vertrauen darauf, dass sie einer natürlichen Ordnung folgen. Sie weiß um die natürlichen Zyklen des Lebens und kennt das Geheimnis der Polarität, das sich in der weißen und der schwarzen Säule widerspiegelt: Die Wahrheit der Göttin umfasst immer beide Seiten der Wirklichkeit, die helle und die dunkle. Tag und Nacht, Geburt und Tod, Trauer und Freude, Werden und Vergehen, Jugend und Alter, Mann und Frau, Ebbe und Flut – sie alle sind Spiegelbilder der einen Wirklichkeit. Sie alle sind untrennbar miteinander verbunden und das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Die Hohepriesterin hält das Buch in ihrem Schoß mit beiden Händen. Sie nimmt die Weisheit der Göttin mit ihrem ganzen Wesen an.

Zwischen den beiden Säulen ist ein roter Schleier gespannt und auch die Säulen selbst werden von blauen Schleiern halb verhüllt. Das Geheimnis der Hohepriesterin liegt im Verborgenen, ist verschleiert und nicht einmal ihr selbst in vollem Umfang bewusst. Das Allerheiligste liegt förmlich hinter ihrem Rücken. Durch neugieriges Fragen, glasklare Erkenntnis und rationale Intelligenz ist es nicht zu enthüllen. Einzig und allein die tiefe innere Erfahrung versetzt uns in die Lage, den Schleier ein kleines Stück zu lüften und einen Blick auf das zu erhaschen, was dahinter verborgen liegt. In der Erfahrung von Menstruation, Empfängnis und Schwangerschaft hat jede Frau an diesem Geheimnis teil.

Die in Kaskaden herabfallenden blauen Schleier und das weit fließende Kleid der Hohepriesterin erinnern an das Element Wasser. Der rote Vorhang in ihrem Rücken erinnert an das fließende Blut. Während der Magier seine Kraft aus dem hellen Sonnenlicht schöpft, ist die Frau auf dem Thron eine Hüterin der Mondkraft: kühl, dunkel, unbeständig, sich verschleiernd, fließend, ständig sich wandelnd. Sie gilt als Verkörperung der Mondseele, als Luna Regia, Königin Mond. Somit ist die Hohepriesterin eng verbunden mit dem wässrigen Element, dem Wandelreich der Gefühle, dem Urgrund allen Lebens. Da sie ganz aus der göttlichen Weisheit und dem Frieden ihrer eigenen Seele schöpft, verkörpert sie vor allem Gefühle der Sanftmut: Geduld, Nachsicht, Güte und Vergebung. In den alten Legenden heißt es, dass Sophia drei Töchter hatte. Ihre Namen waren Glaube, Hoffnung und Barmherzigkeit.

Bei aller Sanftmut des Herzens ist die Hohepriesterin keine schwache, blutarme Gestalt. Als Jungfrau ist sie eine unverheiratete Frau, eine Frau, die nur sich selbst gehört. Wie die Gezeiten, so folgt auch der Rhythmus ihres weiblichen Menstruationsblutes dem Zyklus des Mondes. Jeden Monat erneuert sich ihre Lebenskraft, verwandelt sich ihre Weisheit und wächst ihre Macht. Sie weiß: Der Weg zum Allerheiligsten führt durch das Geheimnis des Blutes.

Die zweite Karte fordert uns auf, zur Ruhe zu kommen und zu lauschen – den Botschaften der Sterne, der Bäume, der Tiere oder der Stimme unseres eigenen Herzens. Indem wir uns den Geheimnissen des Lebens öffnen, können wir ein tieferes Verständnis der Göttlichen Weisheit erlangen. Wo immer diese Karte auftaucht, ist nicht die geeignete Zeit für rasches Handeln. Stattdessen sind Geduld, Langmut und Hingabe von uns gefordert – und die Gabe zu warten. Der rechte Zeitpunkt wird kommen, doch nur wenn wir geduldig darauf warten, können wir den Reichtum ernten, der für uns bereit liegt.

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Die auslösende Lebenssituation: Dies ist eine Zeit der Stille und des Wartens, eine Phase, in der in deinem äußeren Leben nichts Aufregendes zu passieren scheint. Du bist aufgerufen, auf Zeichen zu achten und der Stille zu lauschen, um der tiefen Weisheit deiner eigenen Seele nachzuspüren. Ein wacher Geist und ein klarer Blick sind gefragt, wenn du deine Entscheidungen triffst. Die Qualitäten der Hohepriesterin – Intuition, Hingabe und Geduld – sind dir jetzt weitaus dienlicher als Zielstrebigkeit und Tatkraft. Möglicherweise hast du auch bereits eine Botschaft erhalten, die noch in dir nachklingt. In beruflicher Hinsicht kann die Karte für eine Tätigkeit in therapeutischen, helfenden oder spirituellen Berufen sein. In deinen Beziehungen steht sie einerseits für die Erfahrung tiefer Zuneigung, großer Nähe und Herzensverwandtschaft sowie Verständnis ohne Worte, andererseits auch für eine Zeit des Alleinseins in innigem Kontakt mit dir selbst.

Die Wurzel des Problems: Du hast zu lange gewartet und gezögert, hast den Impuls zu handeln immer wieder aufgeschoben. Die Kehrseite der zweiten Karte heißt Lethargie. Die Hohepriesterin weist dich darauf hin, geduldig zu warten, bis der Augenblick zum Handeln gekommen ist. Dann aber heißt es, die Gelegenheit zu nutzen. Die ruhige Gelassenheit der Priesterin darf dich nicht dazu verleiten, die Chancen, die sich dir bieten, ungenutzt verstreichen zu lassen. Deshalb warnt dich diese Karte auch davor, zu sehr auf Impulse von außen zu warten und die Verantwortung für dein Leben nicht selbst zu übernehmen.

Innere Haltung: Auf der inneren Ebene bedeutet die Hohepriesterin die tiefe Verbundenheit mit der Stimme der Göttin in deinem Leben. Der Kontakt zu deiner inneren Führerin ist jetzt besonders klar. Du bist empfänglich für die Botschaften eines Orakels oder die Zeichen der Natur. Hier findest du Antworten auf alle Fragen, die dein Herz bewegen. Du hast in besonderer Weise Zugang zu deiner Intuition, doch deine Fähigkeiten sind weitgehend ungeschützt, so dass du empfindsamer und verletzlicher bist als sonst. Gleichzeitig bist du eng verbunden mit den Gezeiten und Rhythmen des Lebens. Du wartest geduldig und voller Vertrauen in das Leben, bis die rechte Zeit gekommen ist, und öffnest dich für Impulse und Anregungen von außen. Den Menschen in deinem Leben begegnest du mit Liebe und Nachsicht. Während du im Alleinsein tiefe Zufriedenheit erlebst, bleibst du gleichzeitig offen für neue Begegnungen.

Das Geschenk: Die Hohepriesterin schenkt dir Geduld und die Weisheit deines eigenen Herzens. Jetzt bietet sich dir die Chance, in besonderer Weise in Kontakt mit deiner inneren Führerin zu kommen, die Kunst der Orakelbefragung zu erlernen und ein tiefes Vertrauen in den natürlichen Fluss des Lebens zu entwickeln. Wenn du dich selbst von ganzem Herzen nährst, wächst deine Intuition und mit ihr deine Fähigkeit, dich ganz der Göttin in die Hände zu geben.

Optimale Nahrung: Nährend sind jetzt alle Handlungen und Rituale, die dich mit dem Element Wasser und dem fließenden Menstruationsblut verbinden. Geh in die Dunkelheit und in die Stille, lausche nach innen und folge dem Rhythmus deines Atems. Die Begegnung mit dem Meer oder dem Nachthimmel und das bewusste Erleben der Mondphasen, sowie alle Bücher, die aus tiefer Weisheit schöpfen und dich direkt im Herzen berühren, sind jetzt eine wichtige Nahrung für deine Seele.

Heilende Lösung: Die Hohepriesterin als Heilungskarte empfiehlt dir, der Stimme deiner Intuition zu folgen, der Liebe und Weisheit der Göttin zu vertrauen und gelassen zu warten, bis der rechte Zeitpunkt für die Heilung gekommen ist. Heilung findest du jetzt, wenn du dich ganz und gar dem Fluss des Lebens überlässt. Meditation und Gebet können dir dabei helfen, ein tiefes Verständnis für die Geheimnisse deines Daseins zu entwickeln. Es ist auch eine gute Zeit, eine Helferin, Heilerin oder Seherin aufzusuchen. Die Hohepriesterin ist im Allgemeinen eine segensreiche Karte, die dir Trost und Heilung verspricht.

Schlüsselworte: Wache Aufmerksamkeit Empfänglichkeit Offenheit Blick in die Tiefe Intuitives Wissen Ahnungsvermögen Hellseherische Fähigkeiten Zusammenhänge erahnen Die Geheimnisse der Dunkelheit und der Nacht Botschaften aus dem Bereich des Unbewussten Zeichen in der Natur erkennen In der Wasserschale nach Visionen suchen Das Geheimnis der Polarität Natürliche Zyklen und Rhythmen Abwarten Den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen Geduld Gelassenheit Vertrauen Tiefes Verständnis Nachsicht Güte Sanftheit Loslassen können Empfangen, aufnehmen und bergen Empfindsamkeit Verletzlichkeit Schutzbedürftigkeit Weibliche Weisheit (Sophia) Die Heilerin Die Seherin Die Prophetin

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Die dritte Karte zeigt uns eine wunderschöne, schwangere Frau auf einem Thron, der inmitten einer üppigen, fruchtbaren Landschaft steht, ja, geradezu aus ihr herauszuwachsen scheint. Sie hält ein Zepter in ihrer linken Hand und ein Wappenschild mit einem Adler im rechten Arm. Ihr Kleid ist kostbar bestickt und ihre goldene Krone ist geschmückt mit funkelnden Sternen. Ihre ganze Haltung strahlt Macht, Liebe und Weisheit aus. Nicht umsonst, denn in der Gestalt der Kaiserin begegnet uns die Göttin selbst. Sie ist die Große Mutter, die Lebendige Schöpferin, die über Land und Meer regiert und allem Dasein Fruchtbarkeit verleiht. Das wogende Getreidefeld und die Früchte zu ihren Füßen sind ein Symbol ihrer nie versiegenden Schöpfungskraft. Auch die Linde und die Lilie gelten seit uralten Zeiten als ihre heiligen Pflanzen.

Die Kaiserin repräsentiert die Lebendigkeit, Fruchtbarkeit und Fülle der Natur, ebenso ihre Vielgestaltigkeit und Schönheit. Sie ist die Eine, die Alles ist: Große Gebärerin und Verschlingerin im Tode – die Mutter und Hüterin allen Lebens. Ihre Augen strahlen wie Sterne und ihr Gesicht ist voller Liebe. Doch ist sie nicht nur mild, gütig und sanft. Zu ihrer Weisheit gehört es, dass das Leben sich von Leben nährt und Zerstörung ein Teil des Schöpfungsgeschehens ist. In vielen Mythen gebiert sie einen Sohn, der später den Opfertod stirbt, durch die Unterwelt wandert und schließlich durch die Göttin, seine Mutter und Geliebte, wiedergeboren wird. So spendet sie Geburt und Tod, Werden und Vergehen, Lust und Schmerz, Freude und Leid in nie versiegender, unerschöpflicher Fülle. Die Alten verehrten sie unter unzähligen Namen: Sie war Isis, Ishtar, Inanna, Astarte, Aphrodite, Demeter, Venus, Juno, Freyja, Kybele, Kali, Lilith – die Eine mit den Tausend Namen.

Auf dem Bild trägt die Kaiserin ein goldenes Zepter, dessen Spitze in den Himmel ragt, während das untere Ende in ihrem Schoß ruht. Sie scheint die unsichtbare, befruchtende Energie des Himmels in sich aufzunehmen und in der Tiefe ihres Leibes in irdisches, sichtbares Leben zu verwandeln. Der Adler in ihrem Arm repräsentiert die umgekehrte Richtung: Er steht für die aufsteigende Energie, die sich nach der Verwandlung von der Erde löst und wieder dem Himmel zustrebt. Auch der goldene Thron, auf dem die Kaiserin sitzt, besitzt die Form eines Flügelpaars. Die Kaiserin verbindet Himmel und Erde, Form und Formlosigkeit, die kreative Gestaltungskraft des Magiers und die Hingabe und Empfänglichkeit der Hohepriesterin. Die Art, wie sie das Wappenschild schützend im Arm hält, zeigt uns, dass diese Verbindung und Vereinigung durch die Liebe geschieht. Ihre Macht kommt von innen, aus der Tiefe ihres Herzens. Allein die Liebe vermag Gegensätze so zu verbinden, dass etwas völlig Neues geboren werden kann.

Das Wirkungsfeld der Kaiserin ist der Alltag, das Leben in der Welt. Sie ruft neues Leben ins Dasein, nährt es mit ihrer Liebe, hegt und pflegt es und begleitet geduldig sein Wachstum. Und sie ist auch diejenige, die das, was sie geboren hat, wieder in die Formlosigkeit zurückruft, wenn seine Zeit gekommen ist. Im Vordergrund steht jedoch auf dieser Karte das kreative Element. Die Geburt eines Kindes, das Anlegen eines Gartens, die Gestaltung eines warmen, nährenden Heimes, sowie alle Arten des künstlerischen Schaffens und der geistigen Inspiration sind ihre Domänen.

Sie ist die Mutter Erde selbst, die uns das Leben in einem irdischen Körper schenkt und uns lehrt, es mit allen Sinnen auszukosten. Ihr spiritueller Weg ist das Leben im Hier und Jetzt, in der Welt der Vielfalt. Ihre Kunst ist das schöpferische Tun: die Fähigkeit, unsere Wirklichkeit immer wieder neu zu erfinden. Die Kaiserin sieht, was ist, sie nimmt es bewusst an und erkennt die Grenzen und Möglichkeiten, die darin enthalten sind. Und gleichzeitig gestaltet sie es nach ihren Wünschen und folgt dabei ganz ihrer intuitiven Eingebung. Schließlich kommt der Zeitpunkt, wo sie das, was sie geschaffen, gepflanzt und gestaltet hat, wieder dem Fluss des Lebens anvertraut, mit dem es nach seinen eigenen Gesetzen wächst und sich weiterentwickelt. So, im ständigen Wechsel von Gestalten und Geschehenlassen, erschafft sie die Welt. Im Gegensatz zum Magier, der mit Illusionen spielt und Wirklichkeit aus dem Chaos ruft, nutzt die Kaiserin das, was da ist. Und im Gegensatz zur Hohepriesterin, die das Wesen der Dinge zwar erkennt, aber nicht verändert, greift die Kaiserin gestaltend und verwandelnd in die Wirklichkeit ein.

Dabei geht es ihr nicht nur um Heim und Familie oder die Früchte der Erde, wenngleich diese ihr besonders heilig sind. Der Adler, den sie so liebevoll umarmt, und ihre Sternenkrone zeigen, dass sie nicht nur die Mutter der Erde, sondern auch die Königin des Himmels ist. Sie fasst alle Kräfte des Lebens zu einer Einheit zusammen, überbrückt den Abgrund zwischen den Welten und lässt auf diese Weise die Funken der Inspiration sinnliche, greifbare Wirklichkeit werden. Wo immer wir also kreative Visionen und Ideen ins Leben rufen, ihnen Form und Gestalt geben und sie in der irdischen Welt sichtbar werden lassen, ist sie unsere Beschützerin und Begleiterin.

Während die Hohepriesterin eher als Hüterin von Geheimnissen auftritt, begegnet uns die Kaiserin ganz offen. Sie sitzt mitten in der Natur, mitten in der Welt. Auf dem Bild scheint sie fast mit der sie umgebenden Natur verwachsen zu sein, ganz und gar eingehüllt in deren üppige Schönheit und Fülle. Auch ihr Haar ist nicht von einem Schleier bedeckt, sondern fällt ihr frei über die Schultern. Doch beide, die Hohepriesterin und die Kaiserin, sind eng miteinander verbunden. Manche Interpretationen sehen in den beiden Karten ein Abbild der Allmutter Demeter und ihrer Tochter Kore, welche die jungfräuliche Weisheit und das heilige Herz der Mutter verkörpert. Die Göttin ist immer beides: sowohl jungfräulich, spirituell und umgeben von Geheimnissen, als auch sinnlich, sexuell und fruchtbar. In jeder Frau sind diese beiden Seiten der Weiblichkeit zu finden, unabhängig davon, auf welche Weise sie sich entscheidet, ihnen Ausdruck zu verleihen.

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Die auslösende Lebenssituation: Dies ist eine außerordentlich schöpferische Phase, in der du deine Visionen und Ideen mit großem Selbstvertrauen, Lebendigkeit und Zuversicht in die Welt hineinträgst. Die gegenwärtige Situation erfordert die Fähigkeit, scheinbar widersprüchliche Bestrebungen auf kreative Weise zu verbinden und dadurch neue, überraschende Lösungen für alte Probleme zu finden. Dies kann dir gerade im beruflichen Bereich sehr zugute kommen. In deinen Beziehungen zeigt die Karte Veränderungen und den Anbruch eines erdverbundenen Lebensabschnitts an. Das kann Heirat, intensive Auseinandersetzung mit einem Kinderwunsch, Schwan­gerschaft oder die Geburt eines Kindes bedeuten, aber auch eine Zeit, in der du sesshaft wirst, dir ein Zuhause schaffst oder deinen Körper und seine sinnliche Lust besonders genießt.

Die Wurzel des Problems: Die Kehrseite der dritten Karte ist die erstickenden Fürsorge. Aus lauter Sorge, die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren, hältst du an etwas fest, das selbständig weiter wachsen möchte. Du musst in der Lage sein, die Kinder, die du geboren hast, und die Visionen, denen du Gestalt gegeben hast, irgendwann in die Welt zu entlassen – auch auf die Gefahr hin, dass sie sich anders entwickeln, als du es dir erhofft hast. Zuviel Fürsorge beengt und erstickt letztlich das, was du beleben wolltest. Wahre Lebendigkeit braucht den Tod, das Loslassen, um sich entfalten zu können. Die Kehrseite der Kaiserin kann auch einen unerfüllten Kinderwunsch, unterdrückte Kreativität oder die unerfüllte, starke Sehnsucht nach einem Zuhause bedeuten.

Innere Haltung: Gerade für Frauen ist diese Karte ein überaus günstiges Omen, da sie dir in besonderem Maße den Zugang zu deinen innersten Kraftquellen ermöglicht. Deine Beziehung zur Mutter Erde, deinem Körper und den elementaren Zyklen des Werdens, Wachsens und Vergehens ist stark. Du bist in der Lage, ganz im Hier und Jetzt zu leben und dich mit den irdischen Gegebenheiten, so wie sie sind, im Innersten zu verbinden und dich wohl zu fühlen. Indem du dich ganz auf die Gegenwart einlässt, die tätigen und die empfänglichen Kräfte in dir verbindest und die ständig sich wandelnden Geschenke des Augenblicks annimmst, kann etwas völlig Neues in deinem Leben entstehen. Dies ist eine außerordentlich schöpferische Phase, eine gute Zeit, dein Leben im alltäglichen Handeln kreativ zu gestalten.

Das Geschenk: Die Kaiserin steht für das Geschenk einer schöpferischen Lebensgestaltung. Deine Situation enthält den Keim für die Verwirklichung bedeutsamer Visionen. Du musst nur die Augen öffnen und sehen, was da ist, um es nutzen und verwandeln zu können. Jetzt bietet sich dir in besonderem Maße die Chance, die empfänglichen und die handelnden Seiten deiner Seele zu verbinden und damit etwas völlig Neues zu schaffen. Ein weiteres Potential dieser Karte ist die tiefe Verbundenheit mit der Erde und deinem Körper.

Optimale Nahrung: Jetzt ist es an der Zeit, die heilende und nährende Kraft von Mutter Erde zu nutzen. Ernährung ist hier ganz konkret zu verstehen. Naturbelassene Lebensmittel, Heil- und Wildkräuter und ein bewusster, achtsamer Umgang mit deiner Nahrung sind jetzt ganz besonders wichtig. Dein Körper braucht liebevolle Fürsorge, ausreichend Bewegung, frische Luft und einen gesunden Wechsel von Aktivität und Ruhephasen. Aber auch alle Formen von kreativem Tun – Modellieren, Malen und Gestalten – sind jetzt Nahrung für deine Seele.

Heilende Lösung: Die Kaiserin als Heilungskarte rät dir, Verfahren der Naturheilkunde, der Kreativtherapie und der Körperpsychotherapie zu nutzen. Ihre Botschaft lautet, etwas Neues in deinem Leben entstehen zu lassen. Die Verbundenheit mit der Natur und mit den Quellen deiner Kreativität ist jetzt besonders heilsam für dich. Das bedeutet jedoch mehr, als nur im Freien spazieren zu gehen. Die Kaiserin lehrt dich, dass du nur in dem Maße heil werden kannst, in dem du auch zum Heil-Sein der Gemeinschaft und der Erde beiträgst.

Schlüsselworte: Fruchtbarkeit • Wachstum • Kreativität • Schöpferische Kraft • Etwas Neues schaffen und es gedeihen lassen • Mütterliche Energie • Die Gaben der Natur • Erdverbundenheit • Harmonie mit der Natur • Geborgenheit im Kreislauf des Lebens • Versorgen und umsorgen • Üppige Fülle • Die unerschöpfliche Kraft der Erde, die immer neues Leben hervorbringt • Die Welt des irdischen, physischen Körpers • Wertschätzung des eigenen Körpers, der Sinne und der irdischen Freuden des Alltags • Säen, pflanzen, hegen, pflegen und ernten • Geburt des Neuen • Sinnlichkeit und Leidenschaft • Emotionalität • Lebendigkeit • Stabilität und Wandel • Reichtum an Ideen und Empfindungen

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Die vierte Karte zeigt uns einen majestätischen Regenten auf seinem Thron. Auf dem Kopf trägt er einen Feldhelm mit einer Krone, zu seinen Füßen lehnt sein Wappenschild mit dem Adler und in seinen Händen hält er die Insignien des rechtmäßigen Herrschers: Zepter und Reichsapfel. Das dreizackige Zepter (die  „fleur-de-lis“) in seiner rechten Hand ist ein Symbol seiner phallischen, lebensspendenden Kraft. Der Reichsapfel in seiner linken ist das Zeichen der Erde und repräsentiert die enge Verbundenheit des Kaisers mit der Macht der Göttin. Er sitzt mit entspannt gekreuzten Beinen auf seinem Thron und zeigt uns sein linkes Profil, also seine gefühlsbetonte, empfängliche Seite. Ganz offensichtlich ist er ein friedvoller Herrscher, denn er trägt keine Rüstung und kein Schwert, und sein Schild dient nicht zum Schutz, sondern als Zeichen seiner Beziehung zur Göttin. Der Helm, den er trägt, und die Stärke seiner rechten Hand im Vergleich zur linken zeigen uns jedoch, dass ihm sein Rang und seine Position nicht in den Schoß gefallen sind. Er hat sie unter großen Anstrengungen und zähem Ringen erworben.

Der Mann, den wir auf dieser Karte sehen, ist der Jahreskönig der alten matriarchalen Kulturen. Die Priesterkönigin und Repräsentantin der Göttin erwählte ihn für die Dauer eines Jahres als Gefährten und rituellen Vertreter der Menschenwelt. Seine Aufgabe war es, sich als Stellvertreter der Menschen in Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu bringen und auf diese Weise für Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen. Um dies zu gewährleisten, vollzog er mit der Königin die alten Rituale der Heiligen Hochzeit und des rituellen Opfers. Nur die mutigsten und tapfersten Männer, die sich durch ein hohes Verantwortungsbewusstsein auszeichneten, wurden für diese schwierige und ehrenvolle Aufgabe ausgewählt. Um sich zu beweisen, mussten sie Initiationsaufgaben lösen und sich in Wettkämpfen bewähren. Und sie mussten bereit sein, am Ende des Jahres den Verlust ihrer Macht, mitunter sogar den Tod zu ertragen. Dadurch bezeugte der König seine enge Verbundenheit mit den ewigen Zyklen des Lebens.

Die Beine des Herrschers sind so gekreuzt, dass sie das Zeichen Jupiters oder auch die Zahl Vier darstellen. Die Vier ist die Zahl der sichtbaren, irdischen Welt. Durch sie treten alle Dinge in Erscheinung. So ist sie ein Symbol der Entstehung der Materie durch Verstofflichung des Geistes und die fortwährende Verwandlung von Ideen in Wirklichkeit. Sie steht auch für die abgeschlossene materielle Schöpfung, für Ordnung und Überschaubarkeit. Die vier Himmelsrichtungen ordnen den Raum; die vier Tageszeiten, die vier Jahreszeiten und die vier Phasen des Mondes teilen die Zeit ein. Dem Herrscher kommt die Aufgabe zu, diese Ordnungsprinzipien zu nutzen, um sein Volk zur Blüte zu führen. Er vertritt die weltliche, menschliche Ordnung, die Wachstum und Stabilität ermöglicht. Doch genau wie die irdische Welt ist auch diese Ordnung vergänglich und gilt jeweils nur zu einer gewissen Zeit und an einem bestimmten Ort. Nur wenn der Jahreskönig sich dieser Tatsache bewusst bleibt, kann er seine Aufgabe erfüllen. Seine Haltung zeigt uns, dass er diese Grundwahrheit nicht nur mit dem Verstand begreift, sondern die daraus erwachsende Verantwortung mit seinem ganzen Sein, mit Körper, Geist und Seele annimmt.

Wir sehen auf der Karte, dass das Königreich dieses Herrschers kulturell in hoher Blüte steht. Seine helmförmige Krone ist elegant geschwungen, sein Thron und sein Schild sind fein ziseliert. Der Kaiser ist es, der das kreative Chaos der Kaiserin ordnet, umzäunt, erforscht, einteilt, verfeinert und weiterentwickelt. Darin liegt jedoch auch eine Gefahr. Gerade in unserer heutigen, patriarchalen Gesellschaft ist das Risiko hoch, dass die Kräfte des Kaisers entarten und jene Macht, die aus der Verbundenheit mit dem Urgrund des Lebens erwächst, sich in hierarchische Macht, also Macht über die Erde und die Wesen, die darauf leben, verwandelt. Wenn Geist und Körper nicht mehr als Einheit betrachtet werden, entstehen nur allzu leicht Gedankengebäude, welche die männliche Herrschaft des Geistes über die Natur propagieren. Dann führt der Entdeckergeist des Kaisers zur Ausbeutung des irdischen Lebens und seine Aufgabe, zu ordnen, zu analysieren und zu schützen, führt zur Entfremdung von der Natur. Der Herrscher betrachtet dann die Welt, die ihn umgibt, nur noch als Objekt und sieht sich selbst nicht mehr als Teil des Ganzen.

Der Kaiser des Tarot zeigt uns diese Gefahr und zugleich den Ausweg, ihr nicht zu erliegen. Obwohl er sein Reich in eigener Verantwortung regiert, bleibt er eng verbunden mit der Kaiserin, denn er schaut zu ihr zurück. Auch sein Wappenschild verbindet ihn aufs innigste mit der Göttin. Die beiden Vögel sehen sich nicht nur gegenseitig an, sondern der Vogel des Kaisers ist auch so gezeichnet, dass seine Flügel die Form des Thrones der Kaiserin wiederholen. Die Kaiserin und der Kaiser sind ein Paar. Beider Zepter zeigt den Reichsapfel, der die harmonische Vereinigung der irdischen mit der geistigen Welt symbolisiert. Die enge Verbundenheit des Jahreskö­nigs mit der Priesterkönigin/Göttin verspricht den Fortbestand, das Wachstum und die Fülle des Lebens. Nur wenn beide zusammen wirken, kann das Land blühen und gedeihen.

Vom Kaiser können wir lernen, uns den Herausforderungen des Lebens mutig zu stellen, unsere irdischen Angelegenheiten zu ordnen, uns den Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit zu fügen und unserem Dasein ein stabiles und geschütztes Fundament zu verleihen. Kreative Visionen, wie sie im Garten der Kaiserin geboren werden, brauchen eine klare, verlässliche Basis, um sich konkretisieren und entfalten zu können, und wir müssen mit unermüdlicher Beharrlichkeit an ihrer Verwirklichung arbeiten. Insofern gewährleistet der Jahreskönig jene Bedingungen, die nötig sind, damit die immerwährende Schöpferkraft der Großen Mutter zu voller Blüte gelangen kann.

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